GOÄ 80 abrechnen: schriftliche gutachtliche Äußerung ohne Honorarverlust
Ich sehe immer wieder dasselbe Problem: GOÄ 80 wird entweder zu vorsichtig oder falsch abgerechnet. Beides kostet Geld. Und genau deshalb lohnt es sich, diese Ziffer sauber zu verstehen. Wenn du weißt, wann eine schriftliche gutachtliche Äußerung vorliegt, wie sie sich von Bericht, Kurzbrief und einfachem Attest unterscheidet und was bei der Steigerung gilt, wird die Abrechnung deutlich besser.
Was ist GOÄ 80 überhaupt?
GOÄ 80 steht für eine schriftliche gutachtliche Äußerung. Das heißt: Ich schreibe nicht nur einen kurzen Befund oder eine bloße Bescheinigung. Ich beantworte auf Basis erhobener oder übermittelter Befunde eine konkrete medizinische Frage schriftlich und strukturiert.
Wichtig ist die Abgrenzung: Nicht jeder Arztbrief ist automatisch GOÄ 80. Nicht jede schriftliche Erklärung ist ein Gutachten. Entscheidend ist, dass eine gutachtliche Bewertung vorliegt.
Wann ich GOÄ 80 ansetzen kann
Ich kann GOÄ 80 ansetzen, wenn folgende Punkte zusammenkommen:
- eine konkrete Fragestellung vorliegt,
- ich medizinisch bewerte statt nur dokumentiere,
- das Ergebnis schriftlich formuliert wird,
- die Leistung über einen einfachen Bericht hinausgeht.
Typische Fälle sind schriftliche Stellungnahmen zu Erkrankungen, Verletzungen, Arbeitsfähigkeit, Kausalität oder medizinischen Folgen eines Ereignisses. Die genaue Einordnung hängt immer vom Inhalt ab, nicht vom Etikett.
GOÄ 80 klar abgrenzen: Bericht, Attest, Gutachten
Die meisten Fehler passieren bei der Abgrenzung. Ich halte es einfach:
- GOÄ 70: kurzer schriftlicher Bericht, eher knapp und informativ.
- GOÄ 75: ausführlicher Bericht mit mehr Substanz, aber noch ohne gutachtliche Tiefe.
- GOÄ 80: schriftliche gutachtliche Äußerung mit medizinischer Bewertung.
- GOÄ 85: umfangreicheres Gutachten, oft mit höherem Aufwand und mehr Tiefe.
Die Bundesärztekammer beschreibt die Abgrenzung der GOÄ-Ziffern 70, 75 und 80 sehr klar. Wenn du eine saubere Orientierung willst, starte hier: Bundesärztekammer: Abgrenzung 70 - 75 - 80.
Was in einer GOÄ 80 enthalten sein sollte
Ein sauberer GOÄ-80-Text ist kein Roman. Er ist präzise. Ich achte auf diese Bausteine:
- Fragestellung in klarer Form
- Anamnese und relevante Vorgeschichte
- Befunde, die für die Bewertung wichtig sind
- Epikrise oder medizinische Einordnung
- gutachtliche Schlussfolgerung mit Antwort auf die Frage
Wenn diese Elemente fehlen, wird aus der GOÄ 80 schnell nur ein Brief. Und dann sinkt die Abrechnungsqualität.
GOÄ 80 richtig steigerungsfähig abrechnen
Die GOÄ 80 ist steigerungsfähig bis 3,5. Das ist wichtig. Der Regelhöchstsatz liegt bei 2,3. Alles darüber braucht eine nachvollziehbare Begründung. Einfach höher ansetzen ohne Erklärung ist keine Strategie, sondern ein Risiko.
Wenn du die Leistung begründen willst, musst du den Aufwand transparent machen. Das kann zum Beispiel sein:
- besonders hoher Zeitaufwand,
- komplexe medizinische Fragestellung,
- umfangreiche Befundlage,
- mehrere Quellen oder Vorbefunde,
- erhöhte Schwierigkeit der Beurteilung.
Die Praxis ist simpel: je besser die Dokumentation, desto stärker die Abrechnung.
So vermeide ich Honorarverlust bei GOÄ 80
Ich arbeite bei dieser Ziffer mit einer klaren Checkliste. Das spart Zeit und schützt vor Fehlern:
- Vor der Bearbeitung prüfen: Ist es wirklich eine gutachtliche Äußerung?
- Fragestellung dokumentieren: Wer fragt was genau?
- Leistungstiefe prüfen: Bericht oder Gutachten?
- Steigerungsfaktor begründen: Aufwand, Schwierigkeit, Zeit.
- Text klar strukturieren: Befund, Bewertung, Antwort.
Wenn du deine Abrechnung standardisieren willst, ist das der Hebel. Nicht mehr Ratespiel, sondern Prozess.
Häufige Fehler bei GOÄ 80
Diese Fehler sehe ich ständig:
- zu niedrige Ziffer gewählt, obwohl eine gutachtliche Bewertung vorliegt,
- falsche Abgrenzung zu GOÄ 70 oder 75,
- kein nachvollziehbarer Steigerungsgrund,
- zu pauschale Formulierungen im Text,
- Leistung wird mit einem normalen Brief verwechselt.
Mein Rat: Wenn du zwischen zwei Ziffern schwankst, prüfe den Inhalt. Nicht die Länge entscheidet allein, sondern die medizinische Qualität der Bewertung.
GOÄ 80 in der Praxis: mein einfaches Entscheidungsmodell
Ich nutze dafür ein simples Modell:
- Gibt es eine schriftliche Anfrage mit medizinischer Fragestellung?
- Bewerte ich den Fall fachlich und nicht nur beschreibend?
- Ist das Ergebnis eine gutachtliche Stellungnahme?
- Ist der Aufwand dokumentierbar genug für den gewählten Faktor?
Wenn ich alle vier Fragen mit Ja beantworten kann, ist GOÄ 80 meist der richtige Weg.
Relevante Ressourcen zur GOÄ 80
Für die Einordnung helfen mir diese echten Quellen:
- Bundesärztekammer: Abgrenzung 70 - 75 - 80
- Virchowbund: Nr. 80 GOÄ abrechnen
- Doctolib: GOÄ 80 erklärt
Mein Fazit zu GOÄ 80
GOÄ 80 ist kein Nebenthema. Wer die Ziffer sauber erkennt, sauber dokumentiert und sauber begründet, vermeidet Honorarverlust und arbeitet professioneller. Der Kern ist simpel: gutachtliche Bewertung, klare Fragestellung, saubere Abgrenzung und ein nachvollziehbarer Steigerungsfaktor. Genau so wird aus einer häufig unterschätzten Position ein stabiler Abrechnungsvorteil.
GOÄ 80 bringt nur dann Geld, wenn ich sie richtig anwende. Und genau das macht den Unterschied.